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Published on

October 20, 2026

Website-Relaunch für SaaS-Unternehmen: Der Praxis-Guide

Yannik Moll

CEO

Table Of Contents

Ein Website-Relaunch ist für SaaS-Unternehmen eines der größten Marketing-Projekte überhaupt. Er bindet Budget, Teamzeit und Aufmerksamkeit über Monate. Und er birgt ein echtes Risiko: Wer ihn falsch angeht, verliert Rankings, Leads und am Ende Pipeline.

Die meisten Relaunches scheitern dabei nicht am Launch-Tag. Sie scheitern Monate vorher: an einem Positioning, das nie entschieden wurde, an 80 Feature Pages, die niemand neu schreiben kann, oder an einer URL-Struktur, die eine Woche vor Go-live noch einmal geändert wird. Klassische Checklisten setzen deshalb zu spät an. Sie listen auf, was kurz vor dem Launch zu prüfen ist, obwohl die entscheidenden Weichen längst gestellt sind.

In diesem Guide zeigen wir euch den kompletten Ablauf eines SaaS-Relaunches in acht Schritten: vom ersten Ziel bis zur Optimierung nach dem Go-live. Er basiert auf Relaunches für über 120 Software-Unternehmen, auf Migrationen von TYPO3, WordPress und anderen Systemen zu Webflow und auf den Fehlern, die wir dabei selbst gesehen haben. Dazu bekommt ihr realistische Kosten, eine ausführliche Relaunch-Checkliste und unser Page-Structure-Sheet als Vorlage.

Das Wichtigste in Kürze

  • Der Relaunch-Typ bestimmt das Risiko. Eine reine Plattform-Migration ist meist risikoarm, ein Domainwechsel das Gegenteil. Legt den Typ fest, bevor ihr plant.
  • Foundation first. Gut rankende und gut konvertierende Seiten übernehmt ihr zuerst 1:1. Optimiert wird danach, kontrolliert und messbar.
  • Die wichtigsten Entscheidungen fallen vor dem Projekt: Positioning, Pricing, Ownership und eine freigegebene Page Structure.
  • Rechnet realistisch: Ein SaaS-Relaunch kostet je nach Umfang ab etwa 20.000 € und dauert zwischen 6 Wochen und 6 Monaten.
  • Der Launch ist Tag 1. Die eigentliche Arbeit an Rankings, Conversions und AI Visibility beginnt danach.

Was ist ein Website-Relaunch?

Ein Website-Relaunch ist die umfassende Neuaufsetzung einer bestehenden Website. Je nach Projekt ändern sich Technik, Design, Inhalte, Seitenstruktur oder sogar die Domain, oft mehreres gleichzeitig.

Relaunch oder Redesign? Die Begriffe werden in der Praxis sehr unterschiedlich verwendet, teils sogar gegensätzlich. Wir grenzen sie so ab: Ein Redesign verändert das Erscheinungsbild. Ein Relaunch ist der Oberbegriff für die Neuaufsetzung und kann ein Redesign enthalten, aber auch Technik, Inhalte und Struktur umfassen.

Wichtiger als der Begriff ist die Frage, was genau sich ändert. Davon hängen Risiko, Aufwand, Kosten und der Scope der Redirects ab. Deshalb ist die erste Entscheidung in jedem Projekt: Welcher Relaunch-Typ ist es?

Die vier Relaunch-Typen

Relaunch-TypWas sich ändertSEO-RisikoTypische Erwartung
Plattform-MigrationTechnik und CMS. Inhalte und URLs bleibenNiedrigGleichbleibend oder Uplift durch bessere Technik
Design-RelaunchDesign und Templates. Inhalte bleiben 1:1NiedrigGleichbleibend oder Uplift
Komplett-RelaunchTechnik, Design, Inhalte und SeitenstrukturMittel bis hochHängt davon ab, wie kontrolliert ihr vorgeht
DomainwechselDie Domain, meist plus weitere ÄnderungenSehr hochLange Erholungsphase möglich

Plattform-Migration. Ihr wechselt das System, etwa von TYPO3 oder WordPress zu Webflow, und übernehmt Inhalte und URLs. Weil sich am Content nichts ändert, gibt es selten Ranking-Verluste. Oft seht ihr sogar einen Uplift, weil ältere Plattformen Lücken im technischen SEO haben, zum Beispiel fehlendes Schema Markup. Wie groß der Effekt ist, hängt davon ab, wie gut die alte Plattform aufgesetzt war.

Design-Relaunch. Neues Design und neue Templates, die Inhalte bleiben gleich. Das Risiko ist ähnlich gering, solange die neuen Templates keine Inhalte verlieren. Genau das passiert aber häufiger als gedacht: Texte werden fürs neue Layout gekürzt, H1s verschwinden, interne Links fallen weg.

Komplett-Relaunch. Technik, Design, Inhalte und Seitenstruktur werden gleichzeitig erneuert. Das wünschen sich die meisten, und es ist unter den drei Varianten die riskanteste. Wenn sich alles auf einmal ändert, könnt ihr hinterher nicht mehr sagen, was einen Verlust ausgelöst hat, und ihn auch nicht gezielt rückgängig machen. Wie ihr das Risiko trotzdem klein haltet, zeigt das Grundprinzip Foundation first.

Domainwechsel. Die gesamte Autorität, die ihr bei Google und in AI-Suchmaschinen aufgebaut habt, hängt an eurer Domain. Ein Wechsel muss all diese Signale übertragen, und das dauert. Eine Studie zu Domain-Migrationen kam im Schnitt auf 523 Tage, bis der organische Traffic wieder das alte Niveau erreichte. 17 % der Seiten erholten sich auch nach 1.000 Tagen nicht. Überlegt euch einen Domainwechsel deshalb sehr genau. Wenn er nötig ist, gehört er in die Hand einer spezialisierten SEO-Agentur, begleitet von der Website-Agentur.

Übrigens: Die Horrorzahlen zu Traffic-Verlusten, die in vielen Relaunch-Artikeln stehen, stammen fast immer aus Domainwechseln. Für eine saubere Plattform-Migration sind sie nicht repräsentativ.

Woran ihr erkennt, dass ein Relaunch fällig ist

Ein Relaunch lohnt sich, wenn die Website euer Wachstum bremst und kleinere Optimierungen das nicht mehr lösen. Die häufigsten Anzeichen:

  • Das Marketing-Team kann keine Landingpage am selben Tag live bringen. Jede neue Seite, jede Kampagne und jede Textänderung landet im Dev-Backlog und wartet auf den nächsten Sprint. Tests und Varianten finden praktisch nicht statt.
  • Die Website erzählt noch die alte Product Story. Neue Module, neue ICPs oder eine neue Kategorie tauchen nicht auf, oder nur auf einzelnen Unterseiten. Die Website ist dem Produkt davongelaufen.
  • Sales muss im Call korrigieren, was auf der Website steht. Wenn euer Vertrieb die Website nicht verschickt oder Prospects erst einmal erklären muss, was ihr eigentlich macht, arbeitet sie gegen euch statt für euch.
  • Ihr wisst nicht, welche Seiten Pipeline bringen. Formulare sind nicht sauber mit dem CRM verbunden, Demo-Requests lassen sich keiner Quelle zuordnen, Attribution und Tracking sind lückenhaft.
  • Jede Seite sieht anders aus. Über die Jahre sind Seiten aus verschiedenen Kampagnen, Agenturen und Designs entstanden. Es gibt kein Design-System, und neue Seiten passen nicht zum Rest.
  • Neue Märkte oder Sprachen sind ein Großprojekt. Eine weitere Sprachversion oder eine Länderseite bedeutet Wochen an Entwicklung statt eines Klicks im CMS.
  • Ihr taucht in AI-Antworten nicht auf. Wenn Prospects ChatGPT oder Google AI Mode nach Lösungen in eurer Kategorie fragen, werden Competitors genannt und ihr nicht. Oft fehlt die technische Basis: kein Schema Markup, Inhalte in Bildern statt im Text, unklare Struktur.
  • Die Technik bremst. Das CMS bekommt keine Updates mehr, Plugins brechen bei jedem Update, die Seite lädt langsam und ist auf dem Smartphone umständlich.

Falsche Erwartungen

Ein Satz sollte euch stutzig machen: „Wir relaunchen, damit wir besser ranken.“ Ein Relaunch allein macht euch nicht sichtbarer. Wenn ihr schon starken Content und gute Rankings habt, aber die Technik bremst, kann eine saubere Migration einen spürbaren Uplift bringen. Ist der Content aber noch nicht ausgereift, ändert kein neues Design daran etwas. Dann ist eine Migration oder ein Design-Relaunch sinnvoll, aber die eigentliche Arbeit liegt danach beim Content.

Wann ihr besser verschieben solltet

Steckt ihr intern mitten in einer Diskussion über Positioning oder Pricing, wartet mit dem Relaunch, bis sie entschieden ist. Diese Diskussionen dauern fast immer länger als geplant, und die Website braucht ihr Ergebnis als Grundlage. Mehr dazu in Schritt 1.

Wie oft sollte man relaunchen?

Gängige Faustregeln sprechen von einem Relaunch alle zwei bis fünf Jahre. Wir halten mehr von einem anderen Ansatz: die Website kontinuierlich auf Basis echter Daten verbessern, statt alle paar Jahre alles neu zu machen. Dieser Ansatz ist auch als Growth-Driven Design bekannt. Ein großer Relaunch ist dann nur nötig, wenn das Fundament selbst veraltet ist: Plattform, Design-System oder Informationsarchitektur. Ein guter Relaunch legt genau dieses Fundament, damit ihr danach laufend optimieren könnt.

Das Grundprinzip: Foundation first

Bevor wir in die einzelnen Schritte gehen, ein Prinzip, das sich durch den ganzen Guide zieht: Der Relaunch setzt das Fundament. Optimiert wird danach.

Viele Relaunches sollen alles auf einmal lösen: bessere Rankings, mehr Conversions, eine Plattform, mit der das Marketing endlich arbeiten kann, ein neues Design, und das ohne Risiko. Das sind zu viele Ziele für ein Projekt. Am Ende wird vieles ein bisschen verbessert, aber nichts richtig, und das Risiko steigt, dass etwas schiefgeht.

Foundation first heißt konkret:

  1. Seiten, die heute gut ranken oder konvertieren, übernehmt ihr 1:1. Neues Design und neue Technik ja, Content-Änderungen nein. So seht ihr, was allein die Migration bewirkt.
  2. Schwache Seiten verbessert ihr direkt. Wo kaum Traffic und keine Rankings sind, ist das Risiko gering und die Chance groß.
  3. Neue Seiten, die nicht zwingend zum Launch gebraucht werden, baut ihr danach. Templates und Components stehen dann bereit.
  4. Nach zwei bis drei Monaten optimiert ihr kontrolliert. Mit echten Daten der neuen Website wisst ihr, wo ihr ansetzen solltet, und könnt jede Änderung ihrem Effekt zuordnen, positiv wie negativ.

Warum das so wenige Agenturen empfehlen. Im Sales-Call sitzt meist das C-Level, und das wünscht sich eine komplett neue Website: neue Templates, neuer Content, alles neu. Es ist unbequem zu sagen: „Diese Seiten ranken gut, die würden wir nicht anfassen.“ Ein Komplett-Relaunch ist schlicht leichter zu verkaufen. Aus unserer Erfahrung ist der kontrollierte Weg trotzdem der einzig richtige, gerade bei großen Websites. Genau so setzen wir jeden Website-Relaunch für B2B SaaS auf.

Der Ablauf eines Website-Relaunches in 8 Schritten

Ein Relaunch lässt sich in acht Schritte gliedern. Wichtig: Die größten Risiken entstehen in den ersten drei Schritten, nicht am Launch-Tag.

  1. Ziele, Umfang und interne Grundlagen klären: Was soll der Relaunch erreichen, welcher Typ ist es, und sind Positioning und Pricing entschieden?
  2. Ist-Zustand analysieren: Welche Seiten bringen heute Traffic und Leads? Was machen eure Competitors? Was braucht euer ICP?
  3. Informationsarchitektur und Seitenstruktur festlegen: Welche Seiten gibt es künftig, unter welchen URLs?
  4. Design und UX entwickeln: Wireframes, Components, Mobile Experience.
  5. Content erstellen und migrieren: Was wird übernommen, was neu geschrieben, und wie kommen die Inhalte ins neue System?
  6. Technik und SEO-Migration umsetzen: CMS, Tracking, Integrations, Redirects, Technical SEO.
  7. Testen und launchen: QA in der richtigen Reihenfolge und ein klarer Plan für den Go-live.
  8. Nach dem Launch überwachen und optimieren: Monitoring, dann kontrollierte Optimierung.

In der Praxis laufen einige Schritte parallel, etwa Design und Content. Die Reihenfolge der Entscheidungen sollte aber genau so bleiben.

Schritt 1: Ziele, Umfang und interne Grundlagen klären

In diesem Schritt entscheidet ihr, was der Relaunch leisten soll und was nicht. Er ist der wichtigste des ganzen Projekts, denn der größte Blocker in Relaunches ist selten der Content selbst. Es sind Grundsatzentscheidungen, die erst im Projekt auffallen und dann auf höchster Ebene diskutiert werden müssen.

Ziele realistisch setzen

Legt fest, welches Problem der Relaunch lösen soll: mehr qualifizierte Leads, ein Marketing-Team, das selbstständig arbeiten kann, eine Website, die zur neuen Produktstrategie passt, oder eine bessere technische Basis. Priorisiert. Wer alle Ziele gleichzeitig angeht, erreicht meist keines richtig. Startet bei den konkreten Mängeln, die den Relaunch ausgelöst haben, und definiert für jedes Ziel einen KPI, zum Beispiel Demo-Requests pro Monat oder die Time-to-Launch einer neuen Landingpage.

Scope und Relaunch-Typ definieren

Entscheidet, welcher der vier Relaunch-Typen es ist. Ohne diese Entscheidung lassen sich weder Kosten und Zeit noch der Aufwand für Redirects realistisch planen. Seid dabei ehrlich zu euch: „Wir machen alle 80 Feature Pages neu“ sagt sich im Kickoff leicht. Im Projekt merken die meisten Teams, dass sie das neben dem Tagesgeschäft nicht schaffen.

Positioning und Messaging entscheiden

Spätestens wenn es um die Homepage geht, kommt die Frage: Als was sollen Besucher euch wahrnehmen? Als CRM, als HR-Tool, als Newsletter-Software? Dieses Framing entscheidet, wie alles danach gelesen wird.

Ein Vergleich: Wer auf einer Geburtstagsparty eine Versicherung angeboten bekommt, ist dafür gedanklich nicht im richtigen Rahmen. In der Bank ist das anders. Genauso legt der erste Eindruck eurer Website fest, in welchem Rahmen Besucher alles Weitere lesen.

In diesen Gesprächen merken viele Teams, dass ihr Positioning intern noch nicht festgelegt ist. Die Folge sind lange Abstimmungen auf C-Level und Verzögerungen in der Timeline. In einer Website-Strategie kann eine Agentur beraten und Werkzeuge mitbringen, aber das Positioning muss von innen kommen. Ein Website-Projekt ist oft der Auslöser, es zu überarbeiten. Entschieden werden sollte es aber intern und danach auf die Website gebracht werden, nicht anhand der Website.

Pricing klären

Erstaunlich viele SaaS-Unternehmen beginnen erst mit dem Website-Projekt, über ihr Pricing nachzudenken. Bei Darstellung und UX der Pricing-Seite kann die Agentur helfen. Welche Pakete, Module und Preise es gibt, kann aber nur das Unternehmen entscheiden.

Ownership festlegen

Benennt einen Owner, der Feedback bündelt und entscheidet. Wenn drei Founder unabhängig voneinander kommentieren, oft sogar widersprüchlich, kostet das alle Beteiligten Zeit. Das gilt auch für SEO: Auf eurer Seite braucht es jemanden, der fachlich Verantwortung für Rankings und Inhalte übernimmt.

Typische Fehler in diesem Schritt

  • Den Relaunch starten, während Positioning oder Pricing noch diskutiert werden
  • Zu viele Ziele gleichzeitig und keine klaren KPIs
  • Den Content-Aufwand im Sales-Call zusagen, ohne die Kapazität im eigenen Team zu prüfen

Schritt 2: Ist-Zustand analysieren

Bevor ihr irgendetwas verändert, haltet ihr fest, was heute funktioniert. Diese Bestandsaufnahme ist zugleich eure Vergleichsbasis nach dem Launch. Ohne sie wisst ihr später nicht, ob der Relaunch geholfen oder geschadet hat.

Tracking prüfen

Prüft zuerst, ob euer Tracking überhaupt verlässlich ist. Häufig ist es nicht sauber implementiert: Conversions werden falsch gezählt, Formulare nicht erfasst, AI Visibility wurde nie gemessen. Dann fehlt die Grundlage, um datenbasiert zu entscheiden, welche Seiten wichtig sind. Man kann auf Basis von Erfahrung und Best Practices arbeiten, aber nach dem Launch fehlt euch der Vergleichswert. Ist das Tracking unzuverlässig, bringt es zuerst in Ordnung, zum Beispiel mit einem sauberen Tracking-Setup mit GA4 und Google Tag Manager.

Die Baseline sichern

  • Search Console: Klicks, Impressionen und Rankings pro URL über mindestens zwölf Monate
  • Analytics: Traffic und Conversions pro Seite, vor allem für Demo-, Trial- und Kontaktformulare
  • Backlinks pro URL, inklusive PDFs und Bilder
  • Vollständiger Crawl der aktuellen Website mit allen URLs, Titles und Meta Descriptions
  • Bestehende Redirects der alten Plattform
  • AI Visibility: Wie oft werdet ihr bei relevanten Fragen in ChatGPT, Perplexity oder Google AI Mode genannt? Tools wie Peec AI helfen dabei. Dieselben Fragen prüft ihr nach dem Launch erneut.

Content-Audit

Erstellt ein Inventar aller Inhalte: Welche Seiten gibt es, was leisten sie, wie sind sie gebaut? Bewertet jede Seite nach Traffic, Rankings, Conversions und strategischer Relevanz. Daraus ergibt sich, was ihr 1:1 übernehmt, was ihr überarbeitet und was wegfallen kann.

Vorsicht bei rein datenbasierten Audits. Wir haben erlebt, dass ein Audit eine Seite zum Löschen vorgeschlagen hat, weil sie in drei Monaten kaum Besuche hatte. Sie war erst drei Wochen online. Daten brauchen immer eine inhaltliche Einordnung.

ICP und Buyer Personas verstehen

Prüft, ob eure Buyer Personas noch aktuell sind. Mit dem Produkt verändert sich oft auch der ICP. Fragt Kunden und Sales-Team, was Besucher auf der Website suchen, wo sie hängen bleiben und welche Fragen im Sales-Call immer wieder kommen. Diese Antworten sind eine bessere Grundlage für die neue Website als jede interne Annahme.

Competitor-Analyse

Schaut euch an, wie eure stärksten Competitors ihre Websites aufbauen: Welche Inhalte bieten sie, wie positionieren sie sich, welche Calls-to-Action nutzen sie? Interessanter als das, was sie gut machen, sind ihre Lücken. Was fehlt dort, das ihr bieten könnt? Kopiert keine Website. Eine Kopie wirkt immer schwächer als das Original. AI-Tools beschleunigen diese Analyse deutlich.

Typische Fehler in diesem Schritt

  • Mit unzuverlässigem Tracking starten und nach dem Launch keinen Vergleichswert haben
  • Die Redirects der alten Plattform nicht erfassen
  • Content nur nach Traffic bewerten, ohne Kontext

Schritt 3: Informationsarchitektur und Seitenstruktur festlegen

In diesem Schritt legt ihr fest, welche Seiten es künftig gibt, wie sie zusammenhängen und unter welchen URLs sie erreichbar sind. Hier entsteht das größte SEO-Risiko eines Relaunches, nicht erst bei den Redirects. Jede Entscheidung über Seitentypen, URLs und das Zusammenlegen von Seiten ist auch eine Entscheidung über Rankings.

Navigation entlang der Buyer Journey

Besucher sollten jederzeit wissen, wo sie sind, und mit wenigen Klicks zu dem kommen, was sie suchen: Produktinformationen, Preise, eine Demo. Eine gute Orientierung ist die Buyer Journey. Jede Phase braucht passende Inhalte.

PhaseWas Besucher wollenPassende Inhalte
AwarenessEin Problem verstehenBlogartikel, Ratgeber, Glossar
ConsiderationLösungsansätze vergleichenProduct und Feature Pages, Comparison Pages, Webinare
DecisionEine konkrete Lösung auswählenPricing, Case Studies, Demo und Free Trial

Die Page Structure zuerst freigeben

Bevor irgendjemand über Redirects nachdenkt, braucht ihr eine abgestimmte Seitenstruktur: alle Seiten, ihre URLs, Titles und ob sie indexiert werden sollen, am besten in einem Sheet. Dieses Sheet wird freigegeben und danach nur noch abgestimmt verändert. Die Reihenfolge ist entscheidend: erst die Seitenstruktur, dann das Redirect-Mapping, dann das Schema Markup. Wer URLs noch ändert, nachdem das Mapping steht, macht die Arbeit doppelt oder produziert Lücken.

Unser Page-Structure-Sheet könnt ihr als Vorlage kopieren. Es enthält Spalten für Page Type, neue URL, Title Tag, Meta Description und Index-Status, inklusive automatischer Längenprüfung.

Behalten, zusammenlegen oder löschen?

Grundlage ist euer Content-Audit aus Schritt 2. Gibt es mehrere Seiten, die für dasselbe Thema ranken, sind sie Kandidaten für eine Zusammenlegung. Aber auch hier gilt Foundation first: erst migrieren, dann zusammenführen. So seht ihr den Effekt jeder Zusammenlegung.

Neue Seiten hinzuzufügen ist unkritisch. Vorsichtig solltet ihr beim Löschen großer Seitenblöcke sein. Auch wenn einzelne Seiten kaum ranken, kann ihr Inhalt in der Summe eure thematische Autorität stützen. 100 Seiten auf einmal zu löschen ist eine andere Entscheidung als eine einzelne Seite zu entfernen.

Seitentypen sind Keyword-Entscheidungen

Wenn ihr Seitentypen umbaut, etwa Use-Case-Seiten durch Persona-Seiten ersetzt, ändert ihr auch, wofür ihr rankt. Die wichtigste Regel: keine zwei Seiten zum selben Thema. Eine Feature Page „E-Rechnung“ und eine Use-Case Page „E-Rechnung schreiben“ konkurrieren miteinander. Kleine, wiederverwendete Sections wie eine Benefit-Leiste sind dagegen kein Problem.

Überschätzt: Solution, Persona und Feature Pages. Fast jede SaaS-Website hat zehn oder mehr Solution Pages, dazu Persona, Industry und Feature Pages. In den Daten unserer Kunden ranken die meisten davon kaum, denn kaum jemand sucht nach „Tool XY für Buchhalter“. Als Kampagnen-Landingpages oder zur Orientierung für bestimmte Rollen können sie trotzdem sinnvoll sein. Baut sie nur nicht in der Erwartung, dass sie SEO-Traffic bringen. Und wenn doch, dann auf Basis einer Keyword-Analyse statt eurer internen Use-Case-Liste. Seiten dieser Art könnt ihr gut nach dem Launch bauen.

Unterschätzt: gute Comparison Pages. Comparison Pages sind meist Tabellen voller Häkchen, die zeigen sollen, warum das eigene Tool besser ist. Das hat zwei Probleme. Erstens können Suchmaschinen und AI-Assistenten ein Häkchen nicht zitieren. Schreibt in jede Zelle ein, zwei Sätze, etwa „in 10 Minuten ohne Vorkenntnisse eingerichtet“. Für Paid-Landingpages funktionieren Häkchen dagegen gut. Zweitens stimmt oft das Framing nicht. Ein guter Vergleich ist fair, wie ein Schiedsrichter, der die Unterschiede beschreibt. Eure Differenzierung ergibt sich aus Produkt und Positioning und muss nicht übertrieben werden.

Typische Fehler in diesem Schritt

  • Redirect-Mapping auf Basis einer noch nicht freigegebenen Seitenstruktur
  • Zwei Seiten zum selben Thema, etwa Feature und Use-Case Page
  • Große Seitenblöcke löschen, nur weil einzelne Seiten wenig Traffic haben

Schritt 4: Design und UX entwickeln

In diesem Schritt wird die Seitenstruktur zu konkreten Layouts. Besucher bilden sich in Sekundenbruchteilen einen ersten Eindruck von einer Website. Gleichzeitig muss das Design mehr leisten als gut auszusehen: Es muss eure Inhalte tragen und eurem Marketing-Team erlauben, schnell neue Seiten zu bauen.

Von Wireframes zum Design

Startet mit Wireframes, also groben Layouts ohne Farben und Bilder. So diskutiert ihr zuerst über Struktur und Inhalte, nicht über Farbtöne. Das finale Design entsteht erst, wenn die Wireframes freigegeben sind. Denkt die Mobile Experience von Anfang an mit, denn ein wachsender Teil eures Traffics kommt über das Smartphone.

Ein Design-System statt einzelner Seiten

Gestaltet keine Einzelseiten, sondern ein System aus wiederverwendbaren Components: Hero Sections, Feature Blocks, Testimonials, Comparison Tables, CTA Sections. In Webflow werden daraus Components mit Variants, die euer Team selbst kombinieren kann. Das ist die Grundlage für Foundation first: Neue Use-Case Pages oder Landingpages entstehen nach dem Launch in Stunden statt Wochen. Wie das aussieht, zeigt unser Ansatz für B2B-Webdesign als System.

Usability und Barrierefreiheit

Besucher sollten intuitiv finden, was sie suchen, und mit wenigen Klicks eine Demo anfragen oder das Produkt testen können. Achtet auf klare Navigation, eindeutige CTAs und ausreichende Kontraste. Barrierefreiheit nach WCAG gehört heute zum Standard. Sie verbessert die Nutzbarkeit für alle und hilft Suchmaschinen, eure Seiten zu verstehen.

Die Templates müssen den Content tragen

Prüft jedes Template mit echten Inhalten, nicht mit Platzhaltertext. Ein schönes Layout, in dem der bestehende Text einer gut rankenden Seite nicht mehr Platz hat, ist ein SEO-Risiko. Die neue Seite muss mindestens so viel Inhalt aufnehmen können wie die alte.

Feedback steuern

Design-Feedback ist eine der häufigsten Ursachen für Verzögerungen. Bündelt es beim Owner aus Schritt 1, plant feste Feedback-Loops ein, am besten nicht mehr als zwei pro Seite, und gebt Feedback direkt am Design statt in langen Listen.

Typische Fehler in diesem Schritt

  • Direkt im finalen Design starten und über Farben diskutieren, bevor die Struktur steht
  • Templates mit Platzhaltertext testen statt mit echten Inhalten
  • Einzelseiten gestalten statt eines Component-Systems

Schritt 5: Content erstellen und migrieren

In diesem Schritt kommen die Inhalte in die neue Website: bestehende werden übernommen, neue geschrieben. Die Content-Migration ist die Phase, die am häufigsten unterschätzt wird und am häufigsten zu Verzögerungen führt. Die Spanne ist riesig. Manchmal ladet ihr eine CSV herunter, verbindet die Felder in Webflow, und nach einer Viertelstunde QA ist alles drin. Manchmal sind es zwei Wochen Handarbeit.

Legacy-Content zuerst 1:1 übernehmen

Gut rankende Inhalte übernehmt ihr unverändert ins neue Design. Neu geschrieben wird nur, was ohnehin schwach ist oder für das neue Positioning zwingend nötig ist, etwa die Homepage. Alles andere optimiert ihr nach dem Launch. Das spart Zeit, senkt das Risiko und macht Effekte messbar. Plant für neue Texte auch die Freigaben ein: Sie dauern fast immer länger als das Schreiben selbst.

Der Migrations-Check vor dem Projektstart

Klärt früh, wie eure Inhalte heute gebaut sind, denn davon hängt der Aufwand ab. Drei Fragen:

  1. Sind die Inhalte strukturiert oder statisch gebaut? Inhalte wie Lexikon, Guides oder Ratgeber gehören in ein CMS. Im alten System wurden sie aber oft als statische Seiten gebaut, jede mit einem anderen Aufbau. Diese Inhalte in ein einheitliches Template zu überführen, bedeutet viel manuelle Nacharbeit.
  2. Lassen sich die Inhalte sauber exportieren? Auch wenn Inhalte als Artikel angelegt sind, kann der Export scheitern. Wer in WordPress mit Page Buildern wie Elementor arbeitet, hat oft Elemente eingebunden, die sich nicht als strukturierte Daten exportieren lassen.
  3. Kennt das Template wirklich alle Elemente? Häufig dient eine einzelne Beispielseite als Vorlage für das neue Template. Sie enthält aber nicht alle Elemente, die tatsächlich vorkommen: Tabellen, Embeds, Downloads, Akkordeons, Infoboxen. Prüft deshalb alle Seiten eines Typs, etwa per Crawl.

Testet die Migration mit drei bis fünf echten Seiten, bevor ihr den Gesamtaufwand plant, und klärt, wer die Nacharbeit übernimmt: Agentur oder euer Team.

Weitere unterschätzte Baustellen

  • Mehrsprachigkeit. Liegen die Sprachversionen in Unterverzeichnissen derselben Website, ist die Migration meist einfach. Wir hatten aber auch Kunden, deren Sprachversionen auf getrennten Websites mit eigenem Hosting lagen. Das ist mit einem Export nicht getan.
  • Downloads. Ein SaaS-Unternehmen hat schnell 300 Whitepaper, Datasheets und PDFs. Liegen sie im alten CMS, stellt sich die Frage, ob das alte System erreichbar bleibt oder alle Dateien umziehen müssen. Liegen sie in einem Marketing-Tool wie HubSpot, ist das einfacher, und ihr könnt Downloads besser tracken.
  • Hart codierte Links. Im migrierten Content stecken oft noch Links auf alte URLs. Diese müsst ihr finden und anpassen.

Wo AI hilft und wo nicht

AI nimmt bei der Migration heute viel Arbeit ab. Mit strukturierten Daten arbeitet sie sehr zuverlässig: Felder neu zuordnen, mehrere Felder zu einem zusammenführen, Inhalte in Masse übersetzen. Für einen Kunden haben wir über 400 FAQs per AI übersetzt, eine Aufgabe, die früher Tage gedauert hätte. Auch beim Content-Audit hilft AI, Inhalte zu sichten und zu priorisieren.

Vorsichtig sind wir, sobald AI Inhalte nicht nur neu sortiert, sondern verändert. Hier muss jeder Text kontrolliert werden. Bei uns läuft deshalb über jede AI-Arbeit ein zweiter Agent, der das Ergebnis prüft. Die Entscheidungen trifft am Ende immer ein Mensch, der das strategische Ziel des Relaunches im Blick hat.

Typische Fehler in diesem Schritt

  • Alle Inhalte gleichzeitig neu schreiben wollen
  • Den Migrationsaufwand schätzen, ohne den Export getestet zu haben
  • Das Template auf Basis einer einzigen Beispielseite bauen

Schritt 6: Technik und SEO-Migration umsetzen

In diesem Schritt wird die Website gebaut und technisch so aufgesetzt, dass Rankings, Tracking und Leads den Umzug überstehen. Das Herzstück sind die Redirects.

CMS und Integrations

Wählt ein CMS, mit dem euer Marketing-Team ohne Entwickler arbeiten kann: neue Seiten bauen, Inhalte pflegen, Tests umsetzen. Wir setzen dafür als Webflow Enterprise Partner auf Webflow. Bindet die Systeme an, die an der Website hängen: CRM, Marketing Automation, Formulare, Chat, Meeting-Booking.

Tracking neu aufsetzen

Tracking geht beim Relaunch am leichtesten kaputt. Wer etwa den Google Tag Manager nutzt, muss nicht nur den Code einbinden, sondern auch Tags und Trigger für die neue Seitenstruktur anlegen. Fehlt der Code auf einzelnen Seiten oder feuert ein Event nicht, sind eure Daten unbrauchbar. Definiert vorab, welche Events ihr messt, etwa Demo-Requests, Trial-Sign-ups und Downloads, und stellt sicher, dass Tracking und Cookie-Consent zusammenspielen. Stellt außerdem alle Systeme auf die neuen URLs um, die auf eure Website zeigen, allen voran Google-Ads-Kampagnen.

Redirects: das Herzstück der SEO-Migration

Für jede dauerhaft geänderte URL braucht ihr einen 301-Redirect auf die inhaltlich passendste neue Seite. Nur er signalisiert Google, dass die neue URL die alte dauerhaft ersetzt. Wie ihr Redirects im Detail plant, mappt und testet, zeigt unser Artikel Website-Relaunch ohne SEO-Verlust.

  • Der beste Redirect ist keiner. Bei Migrationen entstehen oft zufällig neue URLs, etwa weil das neue System Bindestriche anders setzt. Ist die Änderung nicht beabsichtigt, passt die neue URL an die alte an.
  • Redirects der alten Plattform mitnehmen. Die alte Website hat meist selbst schon Redirects, oft mit wichtigen URLs dahinter. Wer sie vergisst, lässt viele URLs ins Leere laufen.
  • Ketten auflösen. Jede alte URL sollte direkt auf ihr finales Ziel zeigen, ohne Zwischenstationen.
  • Nicht alles auf die Startseite. Massen-Redirects auf die Homepage wertet Google wie fehlende Seiten. Jede URL braucht ein inhaltlich passendes Ziel. Welches das ist, entscheidet bei weggefallenen Seiten am besten jemand aus eurem Content-Team.
  • Muster statt Einzelregeln. Prüft, ob ihr ganze Verzeichnisse per Wildcard umleiten könnt, etwa alles unter /blog/.
  • Dateien nicht vergessen. PDFs und Bilder mit Backlinks brauchen ebenfalls einen Redirect.
  • URL-Änderungen nach dem Mapping verhindern. Wir hatten einen Fall, in dem vor dem Launch der Blog in „Ressourcen“ umbenannt wurde. An die Redirects dachte niemand, und die alten Blog-URLs liefen ins Leere.

AI hilft beim Mapping sehr, etwa beim Abgleich, ob es für eine URL schon einen Redirect gibt. Die finale Zuordnung prüft trotzdem ein Mensch.

Redirects in Webflow: drei Besonderheiten

  1. Webflow kennt nur 301-Redirects. Für dauerhafte Umzüge ist das richtig. Manchmal braucht ihr aber temporäre Redirects (302 oder 307), etwa für Übergangsphasen, die ihr später noch ändern wollt. Ein 301 wird von Browsern zwischengespeichert und lässt sich schwer rückgängig machen. Kann euer Hoster keine temporären Redirects, zieht die Domain vorher zu Cloudflare um. Die finalen Redirects sind aber immer 301.
  2. Ein CSV-Import ersetzt alle bestehenden Redirects. Wer eine Liste hochlädt, in der die bisherigen Einträge fehlen, löscht sie. Ladet deshalb immer die vollständige Liste hoch.
  3. Mehrsprachigkeit. Bei Websites mit Webflow Localization prüft, wie sich Redirects auf übersetzte URLs auswirken, und testet jede Sprachversion separat.

Technical SEO und AI Visibility

  • Metadaten übernehmen: Title Tags und Meta Descriptions der bestehenden Seiten, besonders der gut rankenden.
  • Interne Links direkt auf die neuen URLs setzen, nicht auf Redirects.
  • Canonicals und Domain-Varianten: Eine Version der Domain (mit oder ohne www) ist kanonisch, die andere leitet weiter.
  • hreflang für alle Sprachversionen.
  • Schema Markup: Globale Auszeichnungen wie Organisation, Name und Adresse sind Standard. Inhaltliches Markup wie FAQ oder Preise stimmt ihr ab, denn wer FAQs oder Preise auf der Seite ändert, muss auch das Markup pflegen. Seit 2026 zeigt Google keine FAQ-Rich-Results mehr. FAQ-Markup hilft trotzdem beim maschinellen Verständnis eurer Inhalte.
  • XML-Sitemap und robots.txt: In Webflow reicht in der Regel die automatisch erzeugte Sitemap. Eine individuelle Sitemap lohnt sich erst bei sehr großen Websites.
  • Barrierefreiheit und semantisches HTML als technische Grundlage.
  • Bilder komprimiert, etwa als AVIF oder WebP, mit Alt-Texten.
  • Für AI-Suche lesbar: AI-Crawler nicht aussperren und Inhalte als Text im HTML anbieten, nicht in Bildern oder Häkchen. Eine spezielle AI-Datei oder ein eigenes GEO-Schema braucht ihr nicht. Der Relaunch ist aber ein guter Moment, Inhalte so aufzubauen, dass AI-Assistenten sie zitieren können: klare Fragen als Zwischenüberschriften, direkte Antworten darunter.

Typische Fehler in diesem Schritt

  • Die Redirects der alten Plattform vergessen
  • In Webflow nur die neuen Redirects hochladen und damit die alten löschen
  • Tracking-Code oder Events nicht auf allen Seiten eingebunden

Schritt 7: Testen und launchen

Technisch ist der Launch fast unspektakulär: DNS umstellen, Website live schalten. Wenn die vorherigen Schritte sauber gelaufen sind, ist am Launch-Tag schon alles entschieden. Was jetzt zählt, ist eine gründliche QA und ein klarer Plan für den Tag selbst.

QA in der richtigen Reihenfolge

Trennt Prüfungen, die vom Content abhängen, von denen, die es nicht tun.

  • Früh, unabhängig vom Content: defekte Links, Ladezeiten, Formulare, Tracking, Darstellung auf verschiedenen Geräten und Browsern, 404-Seite, Favicon und Social-Vorschaubilder.
  • Erst wenn der Content final ist: Headlines, Title Tags, Meta Descriptions, Alt-Texte, interne Links, Schema Markup.

Wer content-abhängige Punkte zu früh prüft, prüft sie doppelt. Hilfreich ist, Seiten clusterweise fertigzustellen, zum Beispiel erst den kompletten Blog, dann alle Funktionsseiten.

Drei Prüfungen, die oft fehlen:

  • Formulare bis ins CRM testen. Eine Erfolgsmeldung im Browser heißt nicht, dass der Demo-Request im CRM angekommen und richtig zugeordnet ist.
  • Tracking und Consent gemeinsam prüfen. Feuern die Conversion-Events, und zwar erst nach der Einwilligung?
  • PageSpeed richtig bewerten. Lab-Tests wie Lighthouse werden durch eure eigenen Marketing-Tags verschlechtert. Bewertet nach dem Go-live die echten Nutzerdaten (Core Web Vitals in der Search Console) und nutzt Lab-Tests zur Diagnose.

Der Launch-Tag

  1. Launch-kritisch vs. später fixbar festlegen. Ein „Kostenlos testen“-Button, der nicht funktioniert, wird sofort behoben. Ein falsches Bild auf einer Unterseite kann warten. Legt diese Grenze vorher fest.
  2. Das Zeitfenster anhand eurer Daten wählen. Analytics zeigt, wann am wenigsten Traffic auf der Website ist.
  3. Zuständigkeiten benennen. Wer stellt die DNS um, wer schaltet die Google-Ads-Kampagnen auf die neuen Landingpages, wer testet die Conversions? Paid-Landingpages haben Priorität, denn dort landet Paid Traffic.
  4. Direkt nach dem Go-live prüfen: noindex entfernt, robots.txt korrekt, Redirects funktionieren (die wichtigsten URLs vollständig, der Rest stichprobenartig), Sitemap in der Search Console eingereicht, Formulare und Tracking live getestet.
  5. Am nächsten Morgen ein kurzer Check: Indexierung, Fehler in der Search Console, Conversions der ersten Stunden.

Der häufigste Fehler nach dem Launch ist übrigens ein vergessener noindex-Tag aus der Staging-Umgebung. Er fällt erst auf, wenn der Traffic einbricht.

Den Relaunch kommunizieren

Eine neue Website ist ein guter Anlass, sich bei Kunden, Partnern und Prospects zu melden, etwa per Newsletter, LinkedIn-Post oder Hinweis im Produkt. So kommen in den ersten Tagen echte Besucher auf die Seite, und ihr bekommt früh Feedback.

Typische Fehler in diesem Schritt

  • Content-abhängige Prüfungen vor dem finalen Content
  • Formulare nur im Browser testen, nicht im CRM
  • Kein vorab festgelegtes Verständnis davon, was launch-kritisch ist

Schritt 8: Nach dem Launch überwachen und optimieren

Der Launch ist Tag 1. In den ersten Wochen prüft ihr, ob die Migration sauber gegriffen hat. Danach beginnt die eigentliche Arbeit.

Monitoring: Was wann normal ist

ZeitraumWas ihr prüftWas normal ist
Erste 72 StundenRedirects, Indexierung, Formulare, TrackingEinzelne 404-Fehler, die ihr sofort behebt
Wochen 1 bis 4Search Console: neue 404-Fehler, nicht indexierte Seiten, Traffic der wichtigsten URLsEin kurzer Dip ist möglich. Nach einer reinen Migration sollte er nach 1 bis 2 Wochen verschwinden
Wochen 4 bis 12Rankings und Klicks pro Seitentyp, Conversions, AI VisibilityBei größeren Änderungen kann es bis zu 12 Wochen dauern, bis sich alles stabilisiert
Ab Monat 3Effekte eurer OptimierungenErste Effekte nach 4 bis 6 Wochen, deutliche nach 3 bis 4 Monaten

Google verarbeitet geänderte URLs nach und nach. Dass die Rankings in den ersten Tagen stabil bleiben, heißt deshalb noch nicht, dass alles geklappt hat. Hält ein Rückgang länger an, sucht die Ursache in dieser Reihenfolge: Werden die Seiten indexiert? Greifen die Redirects? Hat die neue Seite weniger Inhalt als die alte? Oder ist schlicht die Nachfrage gesunken, etwa saisonal? Jede dieser Ursachen gehen wir im Artikel Relaunch ohne SEO-Verlust im Detail durch.

Aufräumen nach dem Launch

  • Externe Links aktualisieren: Profile auf G2 und Capterra, Partnerseiten, LinkedIn, eure Dokumentation und das Help Center.
  • Interne Links auf Redirects direkt auf die neuen Ziel-URLs umstellen.
  • AI Visibility erneut messen: dieselben Fragen wie bei der Baseline, innerhalb der ersten 30 Tage.
  • Feedback einholen: Wie kommt die neue Website bei Kunden und Prospects an? Was sagt das Sales-Team?
  • Redirects dauerhaft behalten: Google empfiehlt mindestens ein Jahr. Wir empfehlen, sie gar nicht zu entfernen.

Vorsicht vor schönen Zahlen

Agenturen werben gern mit Prozentzahlen nach dem Relaunch. Auch wir haben nach Relaunches schon rund 30 % mehr Sichtbarkeit gesehen. Aber was heißt das? Mehr Impressionen bedeuten nicht automatisch mehr Klicks. Mehr Traffic bedeutet nicht automatisch mehr MQLs und SQLs. Am Ende zählt, ob die Website mehr qualifizierte Pipeline bringt. Messt den Relaunch deshalb an den Zielen, die ihr in Schritt 1 festgelegt habt. Wie das in der Praxis aussieht, zeigen unsere Case Studies.

Launch ist Tag 1

Viele Unternehmen relaunchen ihre Website und fassen sie danach jahrelang nicht mehr an. So würdet ihr mit keinem anderen Kanal umgehen. Niemand schaltet Google Ads live und schaut sie nie wieder an. Euer Unternehmen, euer Markt und eure Kunden verändern sich. Eure Website sollte das auch.

Nach zwei bis drei Monaten habt ihr genug Daten für einen Optimierungsplan, bei uns der Growth Plan. Priorisiert nach Hebel: Das kann eine Pillar-Page zu einem Kernthema sein, unter der ihr weitere Inhalte aufbaut, die Optimierung der wichtigsten Conversion-Seiten oder die Use-Case-Seiten, die ihr im Relaunch bewusst verschoben habt. Templates und Components stehen bereit, neue Seiten sind schnell gebaut.

Typische Fehler in diesem Schritt

  • Nach stabilen ersten Tagen das Monitoring einstellen
  • Den Erfolg an Impressionen statt an Leads und Pipeline messen
  • Die Website nach dem Launch nicht weiterentwickeln

Was kostet ein Website-Relaunch, und wie lange dauert er?

Ein B2B-SaaS-Relaunch kostet bei uns zwischen rund 20.000 € für eine reine technische Migration und 100.000 € oder mehr für Enterprise-Projekte. Er dauert zwischen 6 Wochen und 6 Monaten. Die Spanne hängt fast vollständig vom Relaunch-Typ ab.

Relaunch-TypKosten (Richtwert)Dauer
Technische Migrationab ca. 20.000–25.000 €6–10 Wochen
Migration mit neuem Designab ca. 30.000 €ca. 3 Monate
Komplett-Relaunch inkl. Contentca. 40.000–60.000 €, Enterprise bis 100.000 € und mehr3–6 Monate

Allgemeine Ratgeber nennen oft Einstiegspreise von wenigen tausend Euro. Die gelten für kleine, template-basierte Websites. Eine SaaS-Website mit Produkt- und Feature-Seiten, Blog, mehreren Sprachen und CRM-Anbindung bewegt sich in einer anderen Größenordnung.

Was die Kosten treibt

  • Anzahl der zu migrierenden Seiten und wie sie heute gebaut sind (siehe Migrations-Check in Schritt 5)
  • Anzahl neuer Templates und neuer Seiten
  • Individuelles Design statt Template-Lösung, gegebenenfalls ein Branding-Projekt
  • Mehrsprachigkeit
  • Integrations wie CRM, Marketing Automation oder Produkt-APIs
  • Umfang von QA und Testing, besonders bei Enterprise-Projekten

Sprengt das Angebot euer Budget, teilt die Leistungen in Must-haves und Nice-to-haves ein. Nach dem Prinzip Foundation first lässt sich vieles sinnvoll nach dem Launch umsetzen.

Was die Dauer treibt

Bei Komplett-Relaunches liegt der größte Zeitfaktor meist nicht bei der Agentur, sondern beim Content. Euer Team muss Inhalte schreiben, abstimmen und freigeben, neben dem Tagesgeschäft. Die häufigsten Gründe für Verzögerungen:

  1. Ungeklärte Grundsatzfragen: Positioning- oder Pricing-Diskussionen, die mitten im Projekt aufbrechen.
  2. Unklarer Scope: Anforderungen, die sich während des Projekts ändern.
  3. Verspätete Inhalte: Texte und Bilder, die erst zum geplanten Termin fertig werden.
  4. Zu viele Freigabeschleifen: Mehrere Stakeholder, die jede Seite einzeln abnehmen.

Plant deshalb immer Puffer für Freigaben und Überarbeitungen ein. Die letzten Abstimmungen dauern in vielen Projekten länger als erwartet. Je mehr ihr in Schritt 1 klärt, desto schneller und günstiger wird das Projekt.

Intern oder mit Agentur?

Das hängt davon ab, welche Kompetenzen ihr im Haus habt: Strategie und Messaging, Design, Entwicklung, Tracking, SEO und Projektmanagement. Eine reine Plattform-Migration kann ein starkes Inhouse-Team mit Webflow-Erfahrung selbst stemmen. Bei Komplett-Relaunches, Mehrsprachigkeit oder komplexer Content-Migration lohnt sich externe Unterstützung meist. Bei einem Domainwechsel gehört zusätzlich eine spezialisierte SEO-Agentur dazu.

Achtet bei der Wahl auf eine langfristige Zusammenarbeit. Nach dem Go-live tauchen fast immer Fragen und Probleme auf, und eine Agentur, die eure Website und euer Unternehmen kennt, reagiert schneller.

Woran ihr eine gute Relaunch-Agentur erkennt

Eine gute Agentur sagt euch im Sales-Call auch Dinge, die ihr nicht hören wollt. Diese Fragen helfen bei der Auswahl:

  • Fragt sie nach euren besten Seiten, bevor sie über Design spricht? Wer Search Console und Analytics nicht sehen will, plant ohne Grundlage.
  • Rät sie euch auch mal von etwas ab? Zum Beispiel davon, alle Feature Pages im Relaunch neu zu schreiben.
  • Kann sie erklären, wie sie mit Legacy-Content umgeht? Wer nur „wir migrieren alles“ sagt, hat den Export meist nicht getestet.
  • Kennt sie die Grenzen der Plattform? Bei Webflow etwa, wie Redirects und Mehrsprachigkeit funktionieren.
  • Weiß sie, wann sie nicht die Richtige ist? Bei einem Domainwechsel sollte eine Website-Agentur eine SEO-Agentur hinzuziehen.
  • Wie geht es nach dem Launch weiter? Eine Agentur, die nach dem Go-live verschwindet, sieht den Relaunch als Ende statt als Anfang.

Achtet weniger auf Prozentzahlen in Referenzen und mehr darauf, wie fachlich die Antworten auf eure Nachfragen sind.

Ihr plant einen Relaunch? Hier seht ihr, wie wir einen Website-Relaunch für B2B SaaS aufsetzen. Oder ihr bucht direkt einen kostenlosen Strategie-Call, und wir schauen gemeinsam auf eure aktuelle Website.

Website-Relaunch-Checkliste: die Kurzfassung

Die wichtigsten Punkte pro Schritt auf einen Blick. Die ausführliche Arbeitsversion mit Zeitpunkt, Zuständigkeit und Erledigt-Kriterium für jeden Punkt findet ihr in unserer Website-Relaunch-Checkliste mit über 100 Punkten, auch als Google Sheet zum Kopieren. Das Page-Structure-Sheet gibt es ebenfalls als Vorlage.

  • Schritt 1: Ziele priorisiert, Relaunch-Typ festgelegt, Positioning und Pricing entschieden, Owner benannt
  • Schritt 2: Tracking geprüft, Baseline gesichert (Search Console, Conversions, Backlinks, Crawl, AI Visibility), alte Redirects exportiert
  • Schritt 3: Seitenstruktur mit allen URLs freigegeben, keine zwei Seiten zum selben Thema
  • Schritt 4: Wireframes vor Design, Component-System, Templates mit echten Inhalten getestet
  • Schritt 5: Gut rankende Seiten 1:1 übernommen, Export mit echten Seiten getestet, alle Elemente pro Seitentyp erfasst
  • Schritt 6: Tracking und Consent eingerichtet, Redirect-Mapping vollständig, in Webflow die komplette Liste hochgeladen
  • Schritt 7: Formulare bis ins CRM getestet, launch-kritische Fehler definiert, nach Go-live noindex entfernt und Sitemap eingereicht
  • Schritt 8: Search Console eng überwacht, Baseline verglichen, nach 2 bis 3 Monaten Optimierungsplan aufgestellt

Häufige Fragen zum Website-Relaunch

Verliert man bei einem Website-Relaunch Rankings?

Nicht zwangsläufig. Bei einer reinen Plattform-Migration oder einem Design-Relaunch mit unverändertem Content bleiben die Rankings meist stabil oder steigen sogar. Das Risiko steigt, wenn Inhalte, Seitenstruktur und URLs gleichzeitig geändert werden. Am höchsten ist es bei einem Domainwechsel.

Was ist der Unterschied zwischen Relaunch und Redesign?

Ein Redesign verändert das Erscheinungsbild einer Website. Ein Relaunch ist die grundlegende Neuaufsetzung und kann Technik, Design, Inhalte, Struktur und Domain umfassen. Ein Redesign kann Teil eines Relaunches sein.

Wie lange dauert ein Website-Relaunch?

Eine technische Migration dauert 6 bis 10 Wochen, eine Migration mit neuem Design rund 3 Monate, ein Komplett-Relaunch mit neuem Content 3 bis 6 Monate. Der größte Zeitfaktor ist meist der Content und seine Freigabe.

Was kostet ein Website-Relaunch für ein SaaS-Unternehmen?

Ab etwa 20.000 bis 25.000 € für eine technische Migration, ab etwa 30.000 € mit neuem Design und 40.000 bis 60.000 € für einen Komplett-Relaunch. Enterprise-Projekte können 100.000 € und mehr kosten.

Wie oft sollte man eine Website relaunchen?

Es gibt keinen festen Rhythmus. Besser als ein Relaunch alle paar Jahre ist eine Website, die kontinuierlich auf Basis von Daten verbessert wird. Ein Relaunch ist nötig, wenn das Fundament selbst veraltet ist: Plattform, Design-System oder Informationsarchitektur.

Sollte man beim Relaunch alle Inhalte neu schreiben?

Nein. Gut rankende und gut konvertierende Seiten solltet ihr zunächst 1:1 übernehmen. So bleibt messbar, was die Migration bewirkt, und ihr könnt nach dem Launch gezielt optimieren. Schwache Seiten könnt ihr dagegen direkt verbessern.

Wie lange sollten Redirects bestehen bleiben?

Google empfiehlt mindestens ein Jahr. Wir empfehlen, sie dauerhaft zu behalten, da externe Links und Lesezeichen oft jahrelang auf alte URLs zeigen.

Wann sieht man nach einem Relaunch erste Ergebnisse?

Ein möglicher Dip nach einer Migration sollte nach 1 bis 2 Wochen vorbei sein. Erste Effekte von Optimierungen zeigen sich nach 4 bis 6 Wochen, deutliche Ergebnisse nach 3 bis 4 Monaten.

Wie hilft AI beim Website-Relaunch?

AI beschleunigt vor allem die Arbeit mit strukturierten Daten: Content-Audits, Wettbewerbsanalysen, Redirect-Mapping, Übersetzungen und das Neuzuordnen von CMS-Feldern. Inhaltliche Änderungen durch AI sollten immer geprüft werden, und die strategischen Entscheidungen trifft ein Mensch.

Welches CMS eignet sich für einen SaaS-Relaunch?

Eines, mit dem euer Marketing-Team ohne Entwickler arbeiten kann. Wir setzen auf Webflow, weil Marketing-Teams damit Landingpages, CMS-Inhalte und Tests selbst umsetzen können, ohne Abstriche beim technischen SEO.

Yannik Moll

CEO

Founder @Growably | B2B SaaS Websites that turn your users into customers 🚀

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